Nach einem langen Jahr des Wartens ging es am Mittwoch Abend los ins wegen der Semesterferien verfrühte (Studenten-)Trainingslager an die italienischen Adriaküste. Begleitet wurden wir von unserem Gunnar, der nicht nur unser „Trainer“, Routen-Manager und medizinischer Berater sondern vor allem auch als Freund und selbst Trainingslagerteilnehmer dabei war und zusätzlich einfach der coolste „Trainingslager-Chef“, den man sich vorstellen kann.
Nach dem auch der letzte Wasserkocher (Schwippel), Router (auch Schwippel) und die Bibliothek (Tobias Grüßing) ins Auto gequetscht war, konnte das Abenteuer beginnen. Nach überstandener Fahrt stürmten wir voller Vorfreude auf feinen Sand und klares Wasser an den Strand, wo uns jede Menge Treibholz und zwei Bagger erwarteten. Abgesehen von einem Ausflug nach Ravenna, waren die zwei Baggerfahrer, unser Kellner Rodriguez und einige dicke Schwaben auf Erholungsurlaub (Zehnkämpfer) die einzigen Menschen, die wir in den nächsten zehn Tagen zu Gesicht bekommen sollten, denn den sonst überfüllten Pinienwald sollten wir durch unsere frühe Reise ganz für uns alleine haben.
Schnell nach dem Einchecken im Hotel Reno mussten wir feststellen, dass die Zimmergrößen nicht gerade ideal für mindestens 5 Paar Laufschuhe oder etwa Bibliotheken waren, Platzprobleme wurden aber von einigen Teilnehmern durch zusammenschieben der 3 Einzelbetten gelöst, so dass sich mehr Stauraum für das Gepäck ergab. Außerdem war der Anschluss an die Außenwelt durch mangelndes „W-Lano“ äußerst begrenzt, was vor allem bei einigen Teilnehmerinnen großes Bestürzen hervor rief. Unser mediales Grundbedürfnis konnte so nur durch das qualitativ hochwertige Programm von RTL gestillt werden, dessen beliebte Sendung GZSZ massiven Einfluss auf unsere Trainingszeiten hatte. Abends lieferten wir uns nicht immer friedliche Ligretto-Schlachten im Hotel-Foyer. Andere zogen sich aber auch lieber früh auf ihre Zimmer zurück um sich dort bei gegenseitigem Streicheln, ähm „Massage“ auf das Training am nächsten Tag vorzubereiten. Zweimal wagten wir es auch die Isolation in Lido di Savio zu verlassen und gemeinsam mit den 10-Kämpfern im nahe gelegenen Milano Marittima ein leckeres italienisches Eis essen zu gehen.
Trotz der abwechslungsreichen Freizeitgestaltung litt unsere Trainingsmotivation nicht: ob freiweillig oder von freundlichen Tempomachern genötigt, absolvierten wir unsere Dauer- und Tempoläufe im schönen Pinienwald und auf der Tartanbahn in Cervia in Höchstgeschwindigkeit. Im bei uns Läufer sehr beliebten 30m-fliegend-Test konnte Mirko dieses Jahr die Sprintkrone erobern. Doch es wurde nicht nur gelaufen: Nach fast jedem Lauf traf man sich auf dem Vorplatz des uns gegenüberliegendem und noch verlassenen Hotel zum gemütlichen Plausch auf dem Airexkissen, Gymnastik, Stabi oder der allseits beliebten „Blackroll“. Am letzten Tag stand mit der Fußballpartie „Läufer gegen Mehrkämpfer“ ein sportliches Highlight der besonderen Art an. Während die Mehrkämpfer das ganze Trainingslager ‚geübt’ hatten, erweckte diese beliebte Mannschaftsportart einige Läufer, die vormittags nicht einmal mehr gehen konnten, auf wundersame Weise wieder zum Leben und so gewannen die Läufer durch hervorragende Dribbling-Künste und eine unschlagbare Spielausdauer das Spiel mit 6:1. Gefeiert wurde der Sieg dann gemeinsam, mit dem von Schiri Gunnar organisiertem Preis: einem isotonisches Radler.
Kleine Wehwehchen (Pferdekuss von dicken Mehrkämpfern bei der sonst fairen Fußballpartie, Christoph: „Meine Beine sind tot“) bekamen wir dank der Hinweise zur besseren Aufnahme von Voltaren-Salbe, dem wohlriechenden Murmeltierfett und dem Arzt, dem alle Läuferinnen vertrauen (Thorsten Bertsch) schnell in den Griff, sodass am Ende alle wohlbehalten wieder in Tübingen ankamen. Denn auch wenn der Wunsch nach E-Mails mit der Bitte an den Uli, doch mehr Geld zu schicken um länger bleiben zu können von Tag zu Tag wuchs (zahlreiche „Uli, schick uns Geld, weil ....“-Mails müssen wohl wegen fehlendem W-Lano nicht bei Empfänger angekommen sein), und so mussten wir doch am Samstag Morgen, nach einem letzten Dauerlauf und Bad im Meer vor dem Frühstück die Heimreise antreten.
Vielen Dank an unseren Trainer Uli, der uns dieses Jahr leider nicht begleiten konnte und trotzdem die Hauptlast der Organisation trug.





